BR - Christian Linker - Dschihad Calling




 Titel: Dschihad Calling
 Reihe: -
 Autor: Christian Linker
 Genre: Roman
 Verlag: dtv
 Seitenzahl: 320 Seiten
 Preis: 12,99€








Eher beiläufig hatte ich mal im Internet gelesen, dass die Polizei mit Gefährderansprachen versuche, ausreisewillige Islamisten daran zu hindern, das Land Richtung Syrien oder Irak zu verlassen. Das war natürlich so abstrakt für mich gewesen, dass ich es niemals auf Adil und mich bezogen hätte. Bis zu diesem Morgen, an dem zwei Beamte vor unserer Tür standen und mir ihre Dienstausweise entgegenstreckten.

Jakob ist jung und unzufrieden in seinem Leben. Er hat sein Abitur gemacht und nachdem aus seinem Hilfseinsatz in Afrika nichts wurde, hat er sich in Bonn an der Uni für VWL eingeschrieben. Er wohnt bei seiner Freundin Liz, doch natürlich ist dieser Zustand nur etwas vorübergehendes, bis er eine eigene Wohnung gefunden hat. Sein Leben läuft gut und doch spürt Jakob diese innere Leere in seinem Herzen. Die Gesellschaft erwartet von ihm zu funktionieren, sein Studium abzuschließen und eine Familie zu gründen, doch was, wenn er gar nicht funktionieren will?
Alles ändert sich, als er eines Abends ein verschleiertes Mädchen vor ein paar Schlägern rettet. Sofort fallen ihm die blauen Augen auf, die ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Samira heißt sie, wie er auf der Homepage einer salafistischen Vereinigung erfährt. Der einzig wahre Weg, so nennen sie sich und weil Jakob glaubt Samira wiedersehen zu können, ruft er sie an und geht zu den Treffen der Glaubensgemeinschaft. Immer mehr scheint der Islam seine Leere zu füllen und seinem Leben einen neuen Sinn zu verleihen, doch dabei ahnt er nicht, in welch gefährliche Bahnen er mit seinen neuen Ansichten gerät und wie schnell aus Glaube Fanatismus werden kann.

Das Buch von Christian Linker befasst sich mit einer Thematik, die aktueller nicht sein könnte. Viele Aspekte der momentanen Situation auf der Welt finden einen Weg in die Geschichte von Jakob, die zugleich für eine ganze Generation von Jugendlichen steht, die sich leer und ohne Sinn sehen. Allein aus dem aktuellen Bezug und der Tatsache geschuldet, dass ich schon in einer Verlagsvorschau darauf gestoßen war, habe ich das Buch gelesen und bin nun tatsächlich sehr gemischter Ansichten.
Der Autor verfolgt einen schlüssigen Lebensverlauf eines Jungen, der sein Abitur gemacht hat und nun nicht genau weiß, wie es in seinem Leben weitergehen soll. Er sieht sich immer mehr der modernen Welt ausgeliefert, erkennt die Oberflächlichkeit, die in allem und jedem steckt. Selbst seine Beziehung scheint nicht mehr als eine Farce zu sein, beide Seiten verstecken sich hinter der Fassade des Glücklichseins, sind aber eher unglücklich mit einander und dem Leben, das sie führen. Erschreckend klar werden die Punkte, an denen die Prediger der Salafisten ansetzen und selbst ich konnte nachvollziehen, wieso Jakob sich plötzlich mit dem Islam identifizieren konnte. Das allein ist schließlich auch nichts schlechtes. Er wäre nicht der erste Mensch, der seine Erfüllung im Glauben findet. Was zuerst nur mit dem Besterben beginnt das Mädchen zu sehen, das ihn nicht mehr loslässt, wird für Jakob mehr und mehr zu einer Offenbarung und Bestimmung. Er beginnt sich ganz von selbst an die Gebote des Islams zu halten und es ist erschreckend wie leicht es auch einem selbst vielleicht fallen würde.
Die Geschichte wirkt zumindest auf mich gut recherchiert und inszeniert. Sie zeigt anschaulich was die Faszination des Islams für Jugendliche ausmacht und auch was hinter den Männern steckt, die nach Syrien gehen, um sich dem IS anzuschließen. Selbst im Glauben werden die Zweifel deutlich, wenn Adil aus Syrien vom Dschihad schreibt. Es bereitet eine Gänsehaut, wenn man darüber nachdenkt und die Worte aufnimmt.
Was das Buch für mich etwas schwierig gemacht hat, war der Schreibstil. Das Buch ist in drei Teile geteilt und wird immer wieder aus Jakobs Sicht und dann wieder durch das Tagebuch, das Adil in Syrien schreibt, erzählt. Einiges wird so vorweggenommen, doch das war für mich nicht das eigentliche Problem. Mir gefiel einfach die Wortwahl des Autors an vielen Stellen nicht. Es war hart und dreckig und manchmal für einen Geschmack unnötig umgangssprachlich. Vielleicht war das für den Autor der Weg sich einem so schweren und wichtigen Thema zu nähren und zu verdeutlichen, was die Faszination ausmacht und dass nicht jeder Muslim ein Islamist ist, doch mir fiel es dadurch unglaublich schwer das Buch flüssig zu lesen. Die Idee und auch die Geschichte sind angsteinflößend und hart und doch gut, weil sie das Thema so anschaulich darstellen, doch ob ein solcher Wortgebrauch in einem Jugendbuch wirklich sein muss bleibt zumindest für mich fraglich.

Dem derben Schreibstil verschuldet büßt das Werk von Christian Linker am Ende ein Blümchen ein, doch wer sich für dieses aktuelle Thema interessiert, der sollte das Buch unbedingt lesen, denn vielleicht öffnet es dem ein oder anderen tatsächlich die Augen.

Aussehen: ♥♥♥♥
 Spannung: ♥♥♥
 Schlüssigkeit: ♥♥♥♥♥
 Emotionale Tiefe: ♥♥♥♥
 Schreibstil: ♥♥♥









Kommentare :

  1. Hey Meggie :)
    Ah, ich hatte schon vorher ein Auge auf das Buch geworfen, aber jetzt habe ich da richtig Lust drauf!
    Es könnte wirklich aktueller nicht sein, und hat dieses spannende Thema.
    Natürlich schade mit dem Schreibstil :/

    LG ♥
    Anna

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    1. Hallo Anna :)
      Freut mich, wenn es dir Lust auf das Buch gemacht hat und vielleicht empfindest du den Schreibstil ja auch ganz anders als ich. Geschmäcker sind ja bekanntermaßen verschieden <3

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